Gebührenboykott - Informationen zum Kampf für Gebührenfreiheit an der Universität Hamburg

Mit Gebühr’n und Zinsen
Geht Freiheit in die Binsen

Zum solidarischen Boykott der Studiengebühren

"Wir müssen, nachdem der Sozialismus der DDR überwunden wurde, den westdeutschen Sozialismus überwinden, damit wir die Zukunft gewinnen können."
Norbert Walter, Deutsche Bank, am 7.2.2005 im MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt

Victory! Die „Sieger der Geschichte“ wünschen sich die umfassende Beseitigung aller historisch
errungenen sozialstaatlichen Regulierung der kapitalen Konkurrenz. Hinweggefegt werden soll selbst die
Sozialgesetzgebung von Bismarck, dem alten Sozialisten. Bis in den letzten Winkel der Gesellschaft möge
alles der profitablen Verwertung überantwortet werden.
Wollt ihr die totale Freiheit? Konkret sieht das so aus:

Ehrlich verdient, mit Massenentlassungen und Lohndrückerei in all ihren Beteiligungen und Geschäften,
hat beispielsweise die Deutsche Bank den Rekordgewinn des letzten Jahres aktuell noch mal um dreißig
Prozent übertroffen. Davon sind allein 355 Millionen Euro ein neuerliches Steuergeschenk im letzten
Viertel des Geschäftsjahres; insgesamt sechs Mrd. Euro reiner Gewinn. Das ist sechs mal der Betrag, der
je Semester zusammenkäme, sollten bundesweit alle Studierenden Gebühren zahlen.

Der kapitalfromme Hamburger Senat möchte eben diesen, den Banken, nun die „soziale Abfederung“ der
Studiengebühren übertragen und eröffnet ihnen damit ein neues Klientel zum renditereichen
Ausquetschen. Mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) hat Wissenschaftsmanager Dräger
jüngst ein Darlehensmodell vereinbart, nach dem – dank ungedeckelter Zinsen – aktuell bis zu 22000 € an
die Bank zurückzahlen soll, wer 7000 € bei ihr leiht, um die Gebühren zu berappen. Für jeden Euro
Gebühren an die Uni gehen so zwei Euro Zinsen an die Bank. Ein Musterbeispiel konservativer sozialer
Gerechtigkeit.

So lässt sich die „Lenkungsfunktion“ der Studiengebühren noch über das Studium hinaus verlängern.
Denn wer hoch verschuldet aus der Hochschule kommt, soll nicht nur im Studium brav gelernt haben,
womit er sich bestmöglich an seine späteren Herren verkaufen kann. Wer derart unter Druck steht, so das
Kalkül, wird jede noch so menschenverachtende Tätigkeit annehmen. Er wird auch buckeln-beißenlächeln
um jede noch so schlechte Stelle nicht zu verlieren und, um seinem Arbeit“geber“ prächtiger als
Andere gefallen zu können, auch das Schleifen sozialer Errungenschaften als Freiheit begreifen.
Selbstverwertung als Programmatik der Persönlichkeit.

Das bewußte Nein! zu dieser antisozialen Praxis ist der Ausgangspunkt für jede Verbesserung.
Ausbeutung, Konkurrenz und das Lernen für den fremden Zweck sind nicht des Menschen Natur, lösen
kein gesellschaftliches Problem, sind nicht freudvoll und auch nicht das Ende der Geschichte. Der Mensch
macht seine Geschichte selbst. Solidarisch ist er Souverän. Der Boykott der Studiengebühren gehört dazu.

Aufgrund bisheriger Kämpfe ist die Rückmeldung bei der Uni (1.4.) und die Zahlung der Gebühren (15.6.)
getrennt worden. Wir haben somit gute Bedingungen, den solidarischen Boykott der Gebühren in der
vorlesungsfreien Zeit und Anfang des nächsten Semesters durchzuführen. Daran sollten sich alle
beteiligen.

http://www.gebuehrenboykott.de/artikel_4.html [Stand 18. Februar 2007]